Sevilla

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Autor von Travel Guide

Geschrieben vom Travel Guide Team

Erfahrene Reiseautoren, die dieses Reiseziel persönlich besucht und erkundet haben.

Zuletzt aktualisiert: 31. Dezember 2025

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Sevilla Reiseführer 2026: Andalusiens Leidenschaftliche Hauptstadt und Flamenco-Herz

🏰 Die architektonischen Schätze Sevillas

Sevilla ist ein lebendiges Museum der Architekturstile, in dem islamische, gotische, Renaissance- und Barockelemente in atemberaubender Harmonie koexistieren. Ein Spaziergang durch die Stadt ist wie ein Blättern in einem Geschichtsbuch, in dem jede Epoche ihre prächtigen Spuren hinterlassen hat:

  • Der Alcázar von Sevilla (Real Alcázar de Sevilla): Dieser UNESCO-Weltkulturerbe-Komplex ist weit mehr als nur ein Palast; er ist eine der ältesten noch genutzten königlichen Residenzen in Europa. Ursprünglich im 10. Jahrhundert als maurische Festung erbaut, wurde er über Jahrhunderte von verschiedenen Monarchen erweitert. Er ist ein Paradebeispiel für die Mudéjar-Architektur – eine einzigartige Verschmelzung islamischer und christlicher Stile, die nur auf der iberischen Halbinsel zu finden ist. Die komplizierten Schnitzereien, die bunten Kacheln (Azulejos) und die üppigen Gärten, die als Drehort für "Game of Thrones" dienten, sind atemberaubend. Verpassen Sie nicht den Patio de las Doncellas (Hof der Jungfrauen) mit seinem reflektierenden Pool und den versunkenen Gärten. *Pro-Tipp: Kaufen Sie Tickets Wochen im Voraus online, um die berüchtigten Warteschlangen zu vermeiden, die sich oft schon am frühen Morgen bilden.*
  • Kathedrale von Sevilla (Catedral de Sevilla): Als die christlichen Eroberer die Stadt im 13. Jahrhundert einnahmen, nutzten sie zunächst die große Moschee, bevor sie beschlossen, eine Kirche zu bauen, die so groß war, dass "die Nachwelt uns für verrückt erklären wird". Das Ergebnis ist die größte gotische Kathedrale der Welt und die drittgrößte Kirche überhaupt. Der Innenraum ist von überwältigender Pracht, mit einem Hauptaltar, der mit über drei Tonnen Gold überzogen ist, das aus der Neuen Welt gebracht wurde. Ein Highlight ist das monumentale Grab von Christoph Kolumbus, das von vier Statuen getragen wird, die die Königreiche Kastilien, León, Navarra und Aragón repräsentieren.
  • Die Giralda: Der Glockenturm der Kathedrale ist das bleibende Symbol der maurischen Vergangenheit Sevillas. Ursprünglich war er das Minarett der Großen Moschee, erbaut im 12. Jahrhundert nach dem Vorbild der Koutoubia-Moschee in Marrakesch. Das Besondere am Aufstieg ist, dass es keine Treppen gibt. Stattdessen führen 35 breite Rampen nach oben. Diese wurden so konzipiert, dass der Muezzin fünfmal am Tag auf seinem Pferd oder Esel zur Spitze reiten konnte, um die Gläubigen zum Gebet zu rufen. Von oben bietet sich der wohl beste Panoramablick über die Dächer der Stadt und den Innenhof der Orangenbäume (Patio de los Naranjos).
  • Plaza de España: Dieser halbkreisförmige Platz, der für die Ibero-Amerikanische Ausstellung von 1929 erbaut wurde, ist ein Meisterwerk des Regionalismus. Er umarmt symbolisch die ehemaligen Kolonien Spaniens und öffnet sich zum Fluss Guadalquivir. Das Gebäude aus Ziegeln und Kacheln ist ein Spektakel aus Licht und Farbe. Entlang der Wände befinden sich 48 geflieste Nischen, die jede Provinz Spaniens mit historischen Szenen darstellen – ein beliebtes Fotomotiv für spanische Touristen aus den jeweiligen Regionen. Sie können ein kleines Boot mieten, um auf dem Kanal zu rudern, der den Platz umgibt, und die romantische Atmosphäre unter den vier Brücken genießen, die die alten Königreiche Spaniens symbolisieren.

💃 Flamenco: Die Seele von Sevilla

Flamenco ist weit mehr als nur ein Tanz oder Musikstil; es ist ein tief verwurzelter kultureller Ausdruck und eine Lebensart für viele Andalusier. Entstanden aus der Verschmelzung von Gitano-, maurischen und jüdischen Einflüssen, ist Flamenco der pure Ausdruck von Emotionen – von tiefem Schmerz bis zu überschäumender Freude. Sevilla gilt weltweit als das Epizentrum dieser Kunstform.

  • Stadtteil Triana: Auf der anderen Seite des Flusses Guadalquivir liegt Triana, ein Viertel mit einer ganz eigenen Identität. Historisch gesehen war es die Heimat von Töpfern, Seeleuten, Stierkämpfern und vor allem der Gitanos (Roma). Triana gilt als die spirituelle Wiege des Flamenco. Überqueren Sie die berühmte Brücke Isabel II (bekannt als Puente de Triana) und verlieren Sie sich in den engen Gassen. Besuchen Sie das Centro de la Cerámica Triana, um die handwerkliche Geschichte zu verstehen, und halten Sie Ausschau nach den Statuen berühmter Flamenco-Sänger, die hier geboren wurden. Abends erwachen die Bars in der Calle Betis zum Leben, oft mit spontanem Gesang und Gitarrenspiel.
  • Authentische Erlebnisse vs. Touristenfallen: Viele Orte (Tablaos) bieten Abendessen mit Flamenco-Shows an. Während diese unterhaltsam sein können, finden Sie das "echte" Erlebnis ("Duende") eher in kleinen, intimen Orten. Das Museo del Baile Flamenco, gegründet von der legendären Tänzerin Cristina Hoyos, bietet nicht nur hervorragende Ausstellungen über die Geschichte und Kostüme, sondern veranstaltet auch tägliche Shows in einem wunderschönen Innenhof, die für ihre hohe künstlerische Qualität bekannt sind. Für etwas noch Intimeres besuchen Sie die Casa de la Memoria, ein Kulturzentrum, das sich der Bewahrung des traditionellen andalusischen Flamencos widmet, ohne Mikrofone oder Verstärkung – nur pure Akustik und Leidenschaft.
  • Bienal de Flamenco: Wenn Sie Ihre Reise für ein gerades Jahr planen (wie 2026), haben Sie vielleicht das Glück, während der "Bienal de Flamenco" in der Stadt zu sein. Dieses Festival, das alle zwei Jahre im September stattfindet, ist das weltweit renommierteste Ereignis für Flamenco-Kunst. Drei Wochen lang verwandelt sich die ganze Stadt in eine Bühne, von den großen Theatern bis zu den kleinen Patios und sogar öffentlichen Plätzen, wo die größten Stars und aufstrebenden Talente auftreten.

🍊 Versteckte Gärten und Patios

Hinter den weiß getünchten Wänden und verzierten Eisentoren Sevillas verbergen sich geheime Gärten und Innenhöfe, die entworfen wurden, um die Häuser während der heißen Sommer kühl zu halten.

  • Parque de María Luisa: Der wichtigste öffentliche Park Sevillas ist ein üppiger botanischer Garten voller Palmen, Orangenbäume und mediterraner Pinien. Er ist ein schattiger Zufluchtsort mit gefliesten Brunnen und Pavillons.
  • Casa de Pilatos: Dieser Palast aus dem 16. Jahrhundert ist ein verstecktes Juwel, das von Touristen auf dem Weg zum Alcázar oft übersehen wird. Er bietet eine atemberaubende Mischung aus italienischer Renaissance und spanischem Mudéjar-Stil.
  • Palacio de las Dueñas: Die ehemalige Residenz der Herzogin von Alba. Es ist ein poetischer, weinbewachsener Palast mit Innenhöfen voller Zitronenbäume, die sich unglaublich intim und bewohnt anfühlen.

🍽️ Tapas-Guide: Essen wie ein Einheimischer

In Sevilla ist Essen eine soziale Aktivität. "Tapeo" (Tapas essen gehen) bedeutet, von Bar zu Bar zu ziehen und an jedem Ort ein Getränk und einen kleinen Teller zu sich zu nehmen.

  • Jamón Ibérico: Der heilige Gral des spanischen Essens. Suchen Sie nach "de Bellota 100% Ibérico" für die höchste Qualität von Schinken von eichelgefütterten Schweinen.
  • Salmorejo: Ein dickerer, cremigerer Verwandter des Gazpacho, hergestellt aus Tomaten, Brot, Knoblauch und Öl, meist garniert mit hartgekochtem Ei und Schinken.
  • Espinacas con Garbanzos: Spinat mit Kichererbsen, ein maurisch beeinflusster Eintopf, stark gewürzt mit Kreuzkümmel. Ein vegetarischer Klassiker.
  • El Rinconcillo: Gegründet 1670, ist dies die älteste Bar Sevillas. Am Mahagoni-Tresen zu stehen, umgeben von verstaubten Flaschen und Schinkenkeulen, ist ein Reiseerlebnis für sich.
  • Mercado de Triana: Dieser Markt wurde über den Ruinen der Burg San Jorge erbaut und ist heute ein Paradies für Feinschmecker mit Ständen, die frische Produkte neben kleinen Bars verkaufen.

🎒 Praktische Tipps für 2026

  • Siesta ist real: Viele Geschäfte schließen zwischen 14:00 und 17:00 Uhr. Nutzen Sie diese Zeit zum Ausruhen oder für ein langes Mittagessen, da das Abendessen erst um 20:30 Uhr oder später beginnt (Einheimische essen oft erst um 22:00 Uhr).
  • Beste Reisezeit: Der Frühling (März-Mai) ist magisch mit dem Duft der Orangenblüten (Azahar) und großen Festen wie der Semana Santa und der Feria de Abril. Vermeiden Sie Juli und August, es sei denn, Sie vertragen Hitze über 40°C.
  • Verkehrsmittel: Das historische Zentrum ist kompakt und fußgängerfreundlich. Das "Sevici"-Fahrradverleihsystem ist eine großartige Möglichkeit, die Stadt zu sehen, da Sevilla sehr flach ist.